Des Internet is wos für Leut´, die des Kappl verkehrt aufham...
Unser Beitrag zur Jubiläumsausgabe "30 Jahre Bestseller" (download als PDF). Die Anfänge des Internets in Österreich aus Agentursicht....
Es begann mit Unverständnis. Es war das Jahr, als Tim Berners Lee in CERN das WWW erfunden hatte. Das Jahr, in dem selbst eingebaute CD-ROM Laufwerke noch Seltenheitscharakter hatten. Armin Assinger war noch Abfahrtsläufer und wir hörten Die da? von den Fantastischen Vier. Österreich hatte mit den Beitragsverhandlungen begonnen. 1993 – eigentlich noch gar nicht so lange her.
1993, das Jahr, in dem die heutige PXP interactive unter dem vielversprechenden Namen useit!multimedia GmbH als eine der ersten New-Media Agenturen des Landes gegründet wurde. Unsere erste Website ist übrigens im Wayback Archiv unter www.tinyurl.com/useit93 noch erreichbar. Das "useit!" samt Rufzeichen spiegelte den missionarischen Charakter des Projektes wieder, denn 1993 war vom Internet und Multimedia - wie wir es heute kennen - in Österreich noch nichts zu sehen Und da das Marktumfeld selbst kompliziert genug war, wollten wir das Geschäftsmodell möglichst einfach halten: die Idee war -ähnlich einer Filmproduktion- als Dienstleister für Werbeagenturen multimediale CD-ROMs oder Webseiten für deren Kunden zu produzieren. In den ersten Jahren hatten wir mit fast allen relevanten heimischen Agentur darüber gesprochen, fast überall war das Feedback zwischen euphorisch und enthusiastisch! New-Media Aufträge gab es für uns aber so gut wie keine und wir mußten beginnen, uns als „eigene Zunft“ am Markt zu positionieren, um direkt an die potentiellen Kunden ranzukommen.
Ich bin überzeugt, dass diese anfängliche „Online Ignoranz“ seitens der klassischen Agenturen den Aufstieg und die Etablierung der heutigen „Internet Agenturen“ ermöglicht hat – denn inhaltlich gibt es keinen wirklichen Grund für eine Spezialdisziplin „Online“. Ein neuer Marketing- und Kommunikationskanal kam hinzu, ähnlich wie das Fernsehen ab den 50iger Jahren - und damals entstanden ja auch keine Spezialagenturen für TV.
Der Flughafen Wien war bereits 1996 einer unserer ersten großen Kunden im Online Bereich. Unser Auftrag: die Umsetzung der ersten Website. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, 1998 heimsten wir damit den Multimedia Staatspreis ein, und – was viel wichtiger war - alle am Flughafen waren überzeugt, mit dem Internet den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Begonnen hatte es jedoch steinig, unser erstes Angebot wurde vom damaligen Flughafen Wien Vorstand empört mit den mittlerweile legendären Worten zurückgewiesen: „Des Internet is wos für Leut´, die des Kappl verkehrt aufham – und für die geb´ ich ka Million aus“ (er sollte übrigens in beiden Fällen nicht recht behalten).
Aber auch die finale Präsentation vor dem Live-Gang wird mir ewig in Erinnerung bleiben. DAS Keyfeature der neue Flughafen Wien Website war die Möglichkeit, die aktuellen Ankünfte und Abflüge in Echtzeit im Internet abzurufen – wir hätten die Präsentation nicht an einem nebligen Herbsttag ansetzen sollen, denn das einzige Feedback, das wir bekamen -bevor der Vorstand wutentbrannt den Konferenzraum verließ- war: „Des schaut ja im Internet aus, als wären heut´ alle Flüge verspätet! Meine Herren, machen Sie Ihre Hausaufgaben“. Wir haben sie gemacht und daraus auch gelernt - das war bei uns intern die Geburtsstunde des Click-Dummies J
Auch wenn der Anfang blutig und die ersten Erfahrungen lehrreich waren, war ich immer fest vom Erfolg des neuen Mediums Internet überzeugt. L. Gordon Crovitz, ehemaliger Herausgeber des Wall Street Journal, hat dazu wie folgt treffend geschrieben: „With every change in technology that affects user behavior, we always overestimate the impact in the short term, but we underestimate the full impact over the long term“. Was aber noch viel wichtiger ist: Die Dynamik des Internets und unsere Arbeit in diesem sich ständig wandelnden Umfeld macht heute noch immer mindestens so viel Spass wie damals.
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